Denkmalschutzverein Wiener Neustadt

125 Jahre Neustädter Denkmalschutzverein

Geschichte der ersten 100 Jahre

Einhundert Jahre sind kein sehr langer Zeitraum in der Geschichte, aber doch viel für einen privaten Denkmalschutzverein, welcher der älteste Niederösterreichs und sicher auch einer der ältesten Vereine dieser Art im heutigen Österreich ist. Die Stichhaltigkeit dieser Behauptung lässt sich schon aus der Tatsache ableiten, dass der Beginn eines umfassenden von staatlicher Seite initiierten Denkmalschutzes mit der durch eine Allerhöchste Entschließung 1850 ins Leben gerufenen "K.K. Central Commission für die Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale" festgesetzt werden kann.

Obwohl es schon vorher denkmalpflegerische Maßnahmen im Gebiete des österreichischen Kaiserstaates gegeben hat, handelte es sich dabei doch um Einzelmaßnahmen und Verordnungen, die keinen umfassenden Charakter gehabt haben. Auch die k.k. Central Commission begann erst 1854 ihre eigentliche Tätigkeit und hatte trotz mannigfacher Verbesserungen ihrer Statuten bis zum Zusammenbruch der k. u. k. Monarchie keine hoheitsrechtlichen Funktionen, war also weitestgehend auf den guten Willen der betroffenen Besitzer der schützenswerten Denkmäler und Kunstgegenstände angewiesen. In diesem Lichte muss die Gründung des "Vereines zur Erhaltung der Kunstdenkmäler in Wiener Neustadt", wie der Denkmalschutzverein bis in die neueste Zeit hieß, gesehen werden. Er wurde als privater Verein gegründet, dessen Aufgabe es war, die Gedanken der Denkmalpflege und -erhaltung, in breiten Kreisen populär zu machen und dafür zu sorgen, dass die zahlreichen historisch bedeutenden Denkmale, die sich damals zu einem großen Teil in sehr renovierungsbedürftigem Zustand befunden haben, erhalten blieben.

Seine Gründung verdankt der Verein vornehmlich einer Initiative des damaligen cand. phil. Franz Staub, dem es gelang, Vertreter von Stadt, Kirche, Schule, Gewerbe und Industrie davon zu überzeu­gen, dass aktiver Denkmalschutz eine kulturelle Notwendigkeit sei. Der mit 2. März 1884 datierte erste Aufruf zur Gründung des Vereines trägt die Unterschriften des Bürgermeisters Josef Pöck, des Propstes der Hauptpfarre J. Emanuel Wois und zahlreicher anderer Funktionäre und Gewerbetreibender, darunter jene des späteren Verfassers der vierbändigen Stadtgeschichte Dr. Josef Mayer, des Inhabers der traditionsreichen Glockengießerei Peter Hilzer und selbstverständlich jene des cand. Phil. Franz Staub. Dieser stand damals am Beginn seiner erfolgreichen Laufbahn, die ihn schließlich zum angesehenen Historiker, Archivdirektor und Ministerialrat führen sollte.

Der Jahresbeitrag des Vereines wurde damals provisorisch mit 2 fl. österreichischer Währung, zahlbar in zwei Halbjahresraten, festgesetzt. Das eigentliche Gründungsdatum kann vielleicht auf den 20. Juli 1884 verlegt werden, weil an diesem Tag in der Turnhalle die erste Generalversammlung des Vereines stattgefunden hat. Es muss betont werden, dass die vorliegende Vereinsgeschichte für die Zeit bis zur Beendigung des zweiten Weltkrieges nur sehr lückenhaft sein kann, weil das Vereinsarchiv, das für eine ins einzelne Detail gehende Geschichte nötig wäre, durch die Kriegsereignisse nahezu zur Gänze verloren ging, und somit nur spärliche mündliche bzw. sekundäre Quellen zur Verfügung stehen.

Das erste Projekt, das der Verein durchführte, war die Restaurierung und Aufstellung der Grabdenkmale in der Hauptpfarrkirche (Dom). Danach richtete er seine ganze Kraft auf die Renovierung der Spinnerin am Kreuz. Die Arbeiten daran dauerten bis in das Jahr 1892 und kamen erst 1897 zum endgültigen Abschluss, weil in diesem Jahr die Stadtgemeinde dank einer großzügigen Spende der Wiener Neustädter Sparkasse die Realität, auf der die Spinnerin am Kreuz steht, erwerben und zu einem Park, der heute noch besteht, umgestalten konnte.

Es war auch der Verein, der als erster 1886 für die Anbringung von Gedenktafeln, wie sie heute in Orten mit historisch bedeutenden Gebäuden üblich sind, sorgte. Diese Tafeln sind bis heute zum Großteil erhalten geblieben und erinnern an bedeutende Künstler und Persönlichkeiten aus der Geschichte Wiener Neustadts.

Auch in publizistischer Hinsicht wurde der Verein früh tätig. Schon 1885 erschien die erste "Mittheilung des Vereines zur Erhaltung der Kunst Denkmäler in Wiener Neustadt" betreffend "Die Gründung und bauliche Entwicklung von Wiener Neustadt" von Wendelin Boeheim, dem Sohn des Verfassers der "Chronik von Wiener Neustadt", der ersten wissenschaftlich zuverlässigen Stadtge­schichte. Wendelin Boeheim, ebenfalls ein Mitglied des Vereines, war Kustos der Waffensammlung des österreichischen Kaiserhauses und sein Werk "Handbuch der Waffenkunde" ist noch heute grundlegend.

Eines der größten Projekte, die der Verein vor dem ersten Weltkrieg durchführen konnte, war die Erhaltung des Reckturmes und der Stadtmauer in der Nordwestecke der alten Stadtbefestigung. Auch hier war es zuerst Franz Staub, dem das hauptsächliche Verdienst an der Erhaltung dieses Bauwerkes gilt. Im Reckturm und dem anschließenden Amtsgebäude hatte das alte Landgericht Neustadt seinen Sitz. Dieser Stadtteil war durch den damals hier vorbei fließenden Himmelbach mit seinem durch eine Lederfabrik verunreinigten Gewässer ein in gesundheitlicher Hinsicht sehr gefährdeter Ort. Im Zuge der damals stattfindenden Stadterweiterung wurde der breite Babenberger-Ring errichtet und das alte Amtshaus mit seinen vielen kleinen Gefängniszellen war durch die Vollendung des neuen Kreisgerichtsgebäudes überflüssig geworden. Der Gemeinderat hatte das Amtshaus dem Abbruch geweiht, über den Turm und die angrenzenden Stadtmauerteile aber noch keinen Beschluss gefasst. Ohne das Einvernehmen mit der k.k. Zentralkommission herzustellen, wurde die Stadtmauer durchbrochen und teilweise abgerissen. Den vereinten Bemühungen aller an der Erhaltung historisch bedeutsamer Denkmale interessierten Kreise, voran Franz Staub, gelang es jedoch schließlich, dieses Denkmal zu retten und neu zu gestalten. Dabei erwarben sich auch der damals amtierende Bürgermeister Kammann sowie Wendelin Boeheim, der allerdings schon todkrank daniederlag, rühmenswerte Verdienste.

Es würde zu weit führen, alle Aktivitäten des Vereines vor dem ersten Weltkrieg einzeln anzuführen. Es soll vielmehr nur kurz darauf hingewiesen werden, welche Hindernisse damals einem aktiven Denkmalschutz in die Wege gelegt wurden. Als Folge des Baues der Wiener Ringstraße und der Schleifung der alten Stadtbefestigung hatte mit einem geringerem oder stärkerem Verzögerungseffekt in allen modern sein wollenden Städten Österreichs das Bestreben der Errichtung breiter ringstraßenähnlicher Verkehrswege und Boulevards eingesetzt, welchem Bestreben zahlreiche wichtige Baudenkmäler, deren Verlust wir heute tief beklagen, zum Opfer fielen. Für Wiener Neustadt diene der Abbruch der mittelalterlichen Tore in den Jahren 1860 bis 1864 als abschreckendes Beispiel. Auch der Reckturm wäre zweifellos abgebrochen worden, hätten nicht bereits erhebliche Widerstände bestanden, die nicht zuletzt dem Wirken des Vereines in den ersten Jahren seiner Existenz zuzuschreiben sind. Welche, vom heutigen Standpunkt gesehen, abstrusen Argumente für die Zerstörung des Bauwerkes damals vorgebracht wurden, erhellt aus einem ungezeichneten Artikel, der am 17. August 1901 in der "Wiener Neustädter Zeitung" erschien und in dem es heißt: "Die vier düsteren Wände dieses Thurmes, welche aus der Zeit der völligen geistigen Umnachtung in die heutigen Tage herüberragen, sind ein Schandfleck für Wiener Neustadt. Wir können nur zu dem Schlusse kommen: Weg damit!"

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges unterbrach naturgemäß die Tätigkeit des Vereines entscheidend und auch die ersten Nachkriegsjahre waren nicht geeignet die Bestrebungen des Vereines zu fördern. Es soll aber hervorgehoben werden, dass durch das "Gesetz vom 5. Dezember 1918, betreffend das Verbot der Ausfuhr und Veräußerung von Gegenständen von geschichtlicher, künstlerischer oder kultureller Bedeutung" (StGbl. 1918/90) die Zentralkommission bzw. das "Staatsdenkmalamt" zu einer behördlichen Tätigkeit herangezogen wurde. Am 25. September 1923 (BGBL 1923/533) wurde schließlich ein Denkmalschutzgesetz beschlossen, das in seinen Grundzügen noch heute gilt. Es lieferte zusammen mit Novellierungen, die letzte am 15. März 1978 (BGBL 1978/167), die Grundlagen, um einen modernen Denkmalschutz in Österreich möglich zu machen.

Für Wiener Neustadt ist mit dem Denkmalschutzgesetz von 1923 der Name eines Funktionärs des Vereines verbunden, der sich als Konservator des Bundesdenkmalamtes und geschäftsführender Leiter des Vereines zur Erhaltung der Kunstdenkmäler in Wiener Neustadt so viele Verdienste um die Erhaltung historischer Baudenkmale in Wiener Neustadt und darüber hinaus im ganzen Bezirk erworben hat, dass diese einer gesonderten Würdigung bedürften. Fast jede denkmalpflegerische Tätigkeit, die in der Zwischenkriegszeit bis hinein in die ersten Jahre des zweiten Weltkrieges vorgenommen wurde, ist verknüpft mit dem Namen Paul Hanakamp. Sei es die Bewahrung von Fresken in Wiener Neustadt bis hin zur Erhaltung von Burgen und Ruinen, wie etwa der Ruine Starhemberg, in der näheren und weiteren Umgebung der Stadt. Als ehrenamtlicher Konservator des Bundesdenkmalamtes war er unermüdlich tätig. So konnte noch 1937 dank seinen Bemühungen die Mariensäule auf dem Hauptplatz renoviert werden.

Die nächste einschneidende Zäsur in der Geschichte des Denkmalschutzvereines erfolgte durch die Ereignisse des Jahres 1938 und die Einverleibung Österreichs in das deutsche Reich. Österreichische Vereine bedurften zur Sicherung ihrer weiteren Existenz einer entsprechenden Bewilligung seitens der neuen nationalsozialistischen Behörden, damals "Freistellung" genannt. Mit dieser "Freistellung" war die Auflage bestimmter Satzungsänderungen verbunden. Die Statuten mussten auf das so genannte "Führerprinzip" abgestellt werden, der Arierparagraph war einzuführen und die Ernennung des jeweiligen Vereinsleiters und seiner Mitarbeiter bedurfte der schriftlichen Zustimmung des zuständigen Hoheitsträgers der NSDAP. Zu jener Zeit war Altbürgermeister Viktor Praschek Vereinsobmann bzw. später kommissarischer Leiter des Vereines. Obgleich der Stillhaltekommissar, Reichsamtsleiter Albert Hoffmann, dem Verein die Freistellung bewilligte, wurde in der am 9. März 1939 abgehaltenen Ausschusssitzung mit allen gegen zwei Stimmen beschlossen, den Verein trotzdem aufzulösen. Das Vereinsvermögen, das damals 5000 RM betrug, sollte für die Stadt Wiener Neustadt gesichert werden. Gegen diesen Auflösungsbeschluss wurde in der damals einzigen Neustädter Zeitung "Volksruf" sowie in der Öffentlichkeit protestiert. Unter diesem und vielleicht auch anderem Druck wurde aber schließlich mehr oder weniger stillschweigend der Beschluss aufgehoben. Am 19. Mai 1939 fand dann unter Prascheks Vorsitz die erste Hauptversammlung des freigestellten Vereines statt. Es wurden dann die umgearbeiteten Statuten beraten, angenommen und beschlossen, sie dem Reichsamtsleiter zur Genehmigung vorzulegen. Als autoritärer Vereins­leiter wurde Altbürgermeister Viktor Praschek, ein ehemaliges Mitglied der Großdeutschen Partei, einstimmig vorgeschlagen. Der Verein wurde dabei insofern in seinen Wirkungsmöglichkeiten eingeschränkt, als ihm in Hinkunft jede Tätigkeit auf dem Gebiet des Sammelwesens (Urkunden, Schriften, Bücher und Kunstgegenstände) untersagt wurde. Als Grund hiefür wurde die Ausschaltung der Konkurrenz mit dem Stadtarchiv, Museum, der städtischen Bücherei, dem Volksbildungsamt und dem Kulturreferat sowie der "Kraft durch Freude" Organisation angegeben. Außerdem verzichtete der Verein auch auf jede öffentliche Vortragstätigkeit. Seit der letzten Renovierung der Spinnerin am Kreuz - besonders als Folge des Wirbelsturms im Jahre 1916 - waren neuerliche ernste Bauschäden an dieser Säule aufgetreten und es wurde im Jahre 1939 beschlossen, alle Kräfte für die Behebung dieser Schäden einzusetzen. Dazu sollte es allerdings nicht mehr kommen, denn die Ereignisse des zweiten Weltkrieges legten den Verein lahm.

Nach Kriegsende war angesichts der weit reichenden Zerstörungen in der Stadt an denkmalpflegerische Maßnahmen zunächst nicht zu denken, da es galt vornehmlich den Bombenschutt zu beseitigen und Wohnraum für die Bevölkerung zu schaffen. Dennoch soll nicht verhehlt werden, dass durch die Kriegszerstörungen auch manche neuen Erkenntnisse über den mittelalterlichen Baubestand der Stadt gewonnen werden konnten, indem nämlich vorher verdeckte alte Bauteile an Häusern zum Vorschein kamen, von denen man nichts gewusst hatte, die nun die Forschung bereicherten und die Erkenntnisse erweiterten. Für die Lebenskraft der Stadt spricht überzeugend, dass bereits im September 1946 die 1944 fällig gewesene „750 Jahrfeier der Stadt“ nachgeholt wurde.

Es dauerte bis 1949, ehe der Verein wieder reaktiviert wurde. Diese Reaktivierung ist ein Verdienst des bekannten Lokalhistorikers Adolf Höggerl gewesen, der schon in der Zwischenkriegszeit vieles zur Stadtgeschichte Wiener Neustadts publiziert hatte. Er war Friseurinnungsmeister und betrieb Lokalgeschichte als Liebhaber und Amateur. Eine der ersten Tätigkeiten des reaktivierten Vereines war die Wiederherstellung des 1949 total beschädigten Kreuzes vor der St. Leopold Kirche. Am 17. Juni 1951 wurde dieses Kreuz von Prälat Leopold Uhl eingeweiht und danach von Bürgermeister Rudolf Wehrl enthüllt.

Die Vereinsgeschichte wäre beschönigt, verschwiege man jene Schlappe, die der Verein in den ersten Jahren nach seiner Wiedererrichtung erlitten hat. Gemeint ist der Abbruch des alten Mühlturmes in der Nordmauer der Stadtbefestigung, welcher im Zuge der Errichtung einer Ortsdurchfahrt (Grazer Straße) erfolgt ist. Obgleich der Verein damals keine Mühen scheute und über das Bundesdenkmalamt bis zu den höchsten Stellen wie zum Landeshauptmann und zum Bundeskanzler vorgedrungen ist, gelang es ihm nicht, trotz zahlreicher erhaltener und nicht eingelöster Versprechen, die ihm von allen diesen Seiten gemacht worden sind, den Abbruch dieses historisch überaus interessanten und bedeutenden Bauwerkes zu verhindern. Dabei kann er sich von einer, allerdings geringen Mitschuld nicht freisprechen, denn in einer in den Jahren nach dem Krieg in Wien veranstalteten Ausstellung in der Hofburg wäre bereits zu erfahren gewesen, dass die Errichtung der schon geplanten Ortsdurchfahrt den Fall des Mühlturmes zwingend vorsah. Hätte man bereits damals entsprechende Schritte unternommen, hätte die Zerstörung des Turmes vielleicht eher verhindert werden können. Somit war ein weiteres erhaltenswertes historisches Bauwerk unwiederbringlich verloren. Seinen Verlust müssen wir heute umso mehr beklagen, als sich mittlerweile herausgestellt hat, dass die Errichtung der Ortsdurchfahrt, wie sie damals geplant und durchgeführt worden ist, aus heutiger Sicht eine unzureichende Planung gewesen ist. Heute stehen wir neuerlich vor der Notwendigkeit, eine echte Umfahrungsstraße außerhalb der Stadt im Osten zu errichten, die, wäre sie damals bereits errichtet worden, nicht nur den Fall des historischen Bau­werkes erspart hätte, sondern auch die neuerliche Bewältigung verkehrstechnischer Probleme. Adolf Höggerl trat 1955 von seiner Obmannstelle zurück und an seinem Rücktritt ist neben anderen außen liegenden Ursachen zweifellos auch diese für ihn und viele andere schwer zu verwindende Niederlage beteiligt gewesen.

Sein Nachfolger wurde Ing. Robert Stainer und geschäftsführender Obmann war seit 1954 der ehemalige sozialdemokratische Vizebürgermeister Josef Püchler. Damit hatte eine Epoche in der Vereinsgeschichte begonnen, die keinen Vergleich mit den früheren Zeiten erfolgreichster Vereinstätigkeit zu scheuen braucht. Die beiden ersten Vorhaben, die durchgeführt wurden, waren die Renovierungen und Neugestaltungen des „Luckerten Kreuzes“ an der Weikersdorfer Straße und des Pauliner Ackerkreuzes ("Raaber Kreuz") in Verbindung mit der Errichtung einer Gedenkstätte für den letzten Babenberger Friedrich II. an der Neudörfler Straße (1956 und 1957). Die erste Beleuchtung der Mariensäule auf dem Hauptplatz wurde nach deren Restaurierung ebenso ausgeführt wie die Errichtung eines Museums samt anschließendem hölzernen Wehrgang im Reckturm und die Gestaltung einer Anlage bei den in der Westmauer der Stadtbefestigung eingemauerten Judengrabsteinen, wobei deren Zahl um einen neuen, beim Abbruch des alten Lazarettes in Wiener Neustadt aufgefundenen Stein vermehrt worden ist.

Auch die Publikations- und Veranstaltungstätigkeit des Vereines wurde 1956 wieder aufgenommen. Damals wurde die seither ununterbrochen erscheinende Vereinszeitschrift "Unser Neustadt" erstmals herausgegeben, sie erscheint derzeit viermal im Jahr. In ihr erschienen seither viele Arbeiten auch namhafter Fachleute zur Geschichte Wiener Neustadts und seiner Umgebung. Auch ein Führer durch den Dom, das Neukloster und ein viersprachiger Kurzführer durch die Burg wurden publiziert. Daneben veranstaltete der Verein zahlreiche Führungen durch die Stadt und zu ihren Denkmalen. Auch Kunstfahrten in Niederösterreich und in die angrenzenden Bundesländer wurden veranstaltet, ebenso wie zahlreiche Vorträge. Hatte der Verein 1954 94 Mitglieder so stieg deren Zahl 1957 bereits auf 295, um schließlich bald den annähernden Stand von heute 500 zu erreichen.

1958 gab der bisherige Obmann Ing. Stainer seinen Rücktritt aus Gründen beruflicher Überlastung bekannt. Zum neuen ersten Obmann wurde Dir. Ferdinand Palmetzhofer gewählt, Geschäftsführer blieb Josef Püchler. Seit Wiederaufleben des Vereines nach dem Ende des zweiten Weltkrieges hatte es zu den vornehmlichsten Zielen des Vereines gehört, sowohl die durch die Kriegsereignisse ihres Daches beraubte Kirche St. Peter an der Sperr als auch die inzwischen ebenfalls stark bedrohte Spinnerin am Kreuz zu erhalten und zu renovieren. Die Durchführung beider Vorhaben erforderte zwar etliche Jahre an Bemühungen, konnte aber schließlich unter den Obmännern Püchler und Palmetzhofer doch verwirklicht werden. Dies zählt wohl zu den größten Erfolgen, die der Verein im Laufe seiner Geschichte erzielen konnte. Alle diese Vorhaben hätten allerdings nie verwirklicht werden können, wäre der Verein allein auf die Mitgliedsbeiträge seiner Mitglieder angewiesen gewesen. Nur durch großzügige Unterstützungsbeiträge seitens der Stadtgemeinde, die dem Verein in den hundert Jahren seines Bestandes stets mit größtem Verständnis entgegengekommen ist, der Wiener Neustädter Kreditinstitute, allen voran der Wiener Neustädter Sparkasse und der Volksbank, aber auch vieler anderer Institute, sowie der Neustädter Gewerbetreibenden und Industriellen und letztlich weiter Kreise der Bevölkerung war die weitgehende Erreichung der Vereinsziele möglich. Auch die n. ö. Landesregierung und das Bundesdenkmalamt trugen einen gewichtigen Teil bei.

Die Restaurierung der Peterskirche war ohne Zweifel die Krönung der Vereinstätigkeit. Die Kosten dafür erreichten Millionenhöhe und deren Aufbringung war nur durch Zusammenarbeit sämtlicher Bundes- und Landes- sowie kommunalen Stellen möglich. Dem Denkmalschutzverein aber gebührt zweifellos das Verdienst, alle diese Stellen durch seine Tätigkeit und seinen Einsatz zu ihrer Handlungsweise motiviert zu haben. Und dieses Verdienst ist unlösbar mit den Namen Püchler und Palmetzhofer verknüpft. Die Restaurierung der Peterskirche erfolgte von Anfang an mit der Zielsetzung, hier eine groß angelegte Ausstellung, der ein über die Grenzen der Stadt hinausreichendes Thema zu Grunde liegen sollte, zu veranstalten. Und so wurde in den Räumen der wiederhergestellten alten Wehrkirche die erste Landesausstellung mit dem Thema "Friedrich III. Kaiserresidenz Wiener Neustadt" veranstaltet. Diese am 28. Mai 1966 eröffnete Ausstellung dauerte bis zum 30. Oktober 1966 und zog mehr als 150.000 Besucher aus dem In- und Ausland nach Wiener Neustadt und trug zur Kenntnis der Geschichte und Bedeutung Wiener Neustadts in weiten Kreisen bei. Nach Beendigung der großen Landesausstellung blieb die Kirche als Ausstellungsraum erhalten und dient seither jedes Jahr zur Durchführung von Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen mannigfacher Art.

Noch ein weiterer Kirchenraum in Wiener Neustadt, nämlich jener der ehemaligen Deutschordenskirche in der Schlögelgasse, wurde unter Mithilfe des Vereines restauriert und als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum erhalten. Der Hauptverdienst gebührt dem Vereinsmitglied und Kulturstadtrat der Stadt Wiener Neustadt, Dr. Norbert Wittmann, dessen unermüdlichem Einsatz das zu verdanken ist.

Damit wären die größten Projekte genannt, die der Verein verwirklichen konnte. Daneben aber gibt es eine Unzahl von kleineren Projekten, die durchgeführt wurden. Sie reichen von der Restaurierung der westlichen Stadtmauer im Stadtparkbereich über die Neuaufstellung des Denkmals für Kaiser Josef II. bis zur Versetzung des Nepomukdenkmals in der Ungargasse, um nur einige Beispiele zu nennen. Es wäre ermüdend, alle Aktivitäten des Vereines hier einzeln anzuführen und überstiege auch den zur Verfügung stehenden Raum.

1969 legte Püchler infolge fortgeschrittenen Alters, er stand im sechsundachtzigsten Lebensjahr, seine Funktion als geschäftsführender Obmann zurück, gehörte jedoch weiter dem Vereinsausschuss an und wurde zum Ehrenobmann des Vereines ernannt. Das Bundesdenkmalamt hatte schon einige Jahre vorher seine Verdienste um den Denkmalschutz dadurch gewürdigt, dass es ihn zu seinem Konsulenten ernannt hatte. Püchlers Nachfolge als Geschäftsführer trat Oberschulrat Ferdinand Palmetzhofer an, der nun beide Funktionen eines ersten und eines geschäftsführenden Obmannes ausübte. Die Tätigkeit des Vereines blieb auch unter dem nun doppelt belasteten alten neuen Obmann Palmetzhofer unverändert aktiv. 1971 erlitt der Verein durch den Tod Josef Püchlers einen schweren Verlust. Püchler war seit 1954 geschäftsführender Obmann des Vereines gewesen und nahezu bis zuletzt, ehe ihn eine schwere Erkrankung niederzwang, ein Motor und „spiritus rector“ des Vereines.

Wenn nun aus der jüngeren Vereinsgeschichte noch etwas hervorgehoben sein soll, dann sind es die Vereinsaktivitäten auf dem Gebiete der relativ neuen Sparte des Denkmalschutzes, der sich mit der Erhaltung industrieller oder mit der Industrie in Verbindung gestandener Zeugen befasst und unter dem Namen Industriearchäologie subsummiert wird. Der Verein kann mit Genugtuung darauf hinweisen, dass er es gewesen ist, der zur Erhaltung zweier Zeugen dieser Art, nämlich der Aufstellung der alten Werkslokomotive "Fanny" der Lokomotivfabrik und der Erhaltung des Torbogens, der den alten Fabrikseingang zierte, entscheidend beigetragen hat.

In die Aera Palmetzhofer fällt auch die Durchführung einer weiteren großen Ausstellung in Wiener Neustadt, die mit der Renovierung des Domes in Verbindung stand und bei deren Vorbereitung der Verein auch einen Anteil hatte. Diese Ausstellung "Die Zeit der frühen Habsburger" war die zweite in Wiener Neustadt durchgeführte Landesausstellung und fand ebenfalls große Beachtung im In- und Ausland. Sie fand vom 12. Mai bis 28. Oktober 1979 im Dom und im Kloster und der Kirche St. Peter an der Sperr statt.

Im Jahre 1982 vollendete OSR Ferdinand Palmetzhofer sein achtzigstes Lebensjahr, legte seine Funktionen zurück und wurde zum Ehrenobmann des Vereines ernannt. Seine Nachfolge trat Dr. Erwin Stöcklmayer an. Palmetzhofer wurde von der Stadtgemeinde Wiener Neustadt für seine Verdienste mit der Verleihung des Ehrenringes der Stadt gewürdigt. Leider war es Ferdinand Palmetzhofer nicht mehr möglich das hundertste Jahr des Bestandes des Denkmalschutzvereines mitzuerleben. Eine schwere Erkrankung, der er ein Jahr mit übermenschlicher Geduld trotzte, entriss ihn uns am 6. April 1984.

So ist das hundertste Bestandjubiläum des Vereines einerseits ein Anlass für Stolz und Freude und anderseits Anlass zur Wehmut, wenn wir zurückblicken auf die vielen Freunde, die gemeinsam mit uns für den Denkmalschutz gewirkt haben und nicht mehr unter uns weilen. Wollte man alle Namen aufzählen, die hier zu nennen wären, ergäbe das eine lange, lange Liste. Deshalb mögen die hier genannten wenigen Namen stellvertretend stehen für die, die zwar nicht genannt worden sind, ohne deren Mitwirken aber der Verein weder etwas erreicht hätte noch überhaupt bestünde. Was bleibt, ist der Wunsch, dass auch in Zukunft der Verein für den Denkmalschutz der Stadt so tätig sein kann, wie er es bisher gewesen ist.

E. St.

Die nächsten 25 Jahre des Wiener Neustädter Denkmalschutzvereines

Nach der ausführlichen Schilderung der ersten 100 Jahre ist zunächst die Jahreszahl 1988 hervorzuheben. In diesem Jahr hat der Verein der ersten großen Arbeiterwohnanlage der Republik eine Erinnerungstafel gewidmet. Diese Wohnbauanlage mit 600 Wohnungen wurde, zwei Jahre vor der ersten ähnlichen Anlage in Wien, von der Stadtgemeinde Wiener Neustadt in den Jahren 1918-1922 nach den damals modernsten Gesichtspunkten, errichtet.

Die Wegsäulen Wiener Neustadts waren unserem Verein immer ein Anliegen. So wurde nach Einholung von Offerten die Restaurierung der Schafflerhof -Wegsäule in Auftrag gegeben. Im April 1990 erfolgte dann die Aufstellung an der Kreuzung Pottendorfer Strasse – Schafflerhof. Weiters konnte die Restaurierung des Gedenksteines am „Rosenhügel“ abgeschlossen werden und nun sind alle Daten und Jahreszahlen wieder lesbar.

Am Wienertor wurde ein Sgraffito geplant und als Künstler konnte Prof. Haas für das Projekt gewonnen werden. Die Herstellung erfolgt dann 1991. Dem Industrieviertelmuseum wurde eine „Morgengabe“ zur Anschaffung von Archiv-Kartons gegeben worauf man dem Verein und seinem Obmann eine Plakette aus Nemetzguss und ein Diplom überreichte.

Für die Beschriftung der Tafel für die Wegsäule Schafflerhof waren die Anschaffungskosten (16.944.00 Schilling) nicht finanzierbar und deshalb hat der Bauhof zur Sicherung der Säule Steinklötze davor befestigt.

1992 wurde bei der Jahreshauptversammlung eine Statuten- und Namensänderung des Vereines beantragt. Der Vereinsname wurde von „Verein zur Erhaltung der Kunstdenkmäler in Wiener Neustadt (Altertums-Verein)“ in „Wiener Neustädter Denkmalschutzverein“ geändert und auch angemeldet.

Nach ausführlichen Besprechungen über die Teilrenovierung von St. Jakob (Kapuzinerkirche) beteiligte sich der Verein an den Kosten der Baumeister- und Steinmetz Arbeiten.

1993 wurden Verhandlungen über das Naturdenkmal „Alte Eiche“ und deren Erhaltung im Akademiepark (Gefahr durch Überdüngung) mit der Bundesbaudirektion geführt. Kontaktaufnahme erfolgte aber auch mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft sowie mit dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Angelegenheiten.

Für die 800-Jahr Feier Wiener Neustadts gab es zahlreiche Besprechungen und Aktivitäten. Die Erinnerungstafel für „Heinrich von Neustadt“ und deren Anbringung am Rathaus sowie eine neue Tafel für das „Raaber Kreuz“ wurden in Auftrag gegeben. Durch Vermittlung von Prof. Flanner wurde eine Brunnensäule von De Cente dem Denkmalschutzverein überlassen. Abbau, Transportkosten sowie Sanierung wurden vom Verein bezahlt. Der Tumbadeckel vom Grab Friedrich II. wurde anlässlich des Stadtjubiläums kopiert und an der Stadtmauer im Bereich des Museums angebracht. Die Kosten übernahm der Verein. Für die Domrestaurierung sprang der vom Verein mit den Kosten für 4 Maßwerkfenster am Treppenturm des Südturmes bei.

Die Tafel für das „Raaber Kreuz“ wurde erneuert, ebenso wurde die Büste für das „Steiner Denkmal“ fertig. Die Aufstellung erfolgte im BORG (Bundesoberstuufenrealgymansium). Das Stadtarchiv Wiener Neustadt begann mit dem Restaurieren gefährdeter Bücher. Natürlich sagte hat der Verein seine Teilnahme zu und suchte sich das Buch: „Hochgräfliche Gaisrucksche Instruktionen de anno 1747 Nr. 84“ (bekannt als „Gaisrucksche Instruktionen“) aus.

Eine Tafel für den Humanisten Aeneas Sylvius Picolomini (dem Sekretär Friedrichs III. und späteren Papst Pius II., gewählt 1458) wurde 1999 bei einem Festakt in der Militärakademie angebracht.

Die Erinnerungstafel und der Sockels für das „Luckerte Kreuz“ wurden renoviert, ebenso der De Cente Brunnen. Er war im Rahmen einer Ausstellung in St. Peter an der Sperr zu sehen.

Ein Wasserschaden im Vereinslokal in der Schlögelgasse richtete beträchtlichen Schaden an. Vor allem den Vereinsmitgliedern Frau Gerti Wittmann und Herr Georg Habitsch ist es zu verdanken, dass in wochenlanger Arbeit die Räumlichkeiten wieder halbwegs hergestellt wurden. An den Archivalien waren zum Glück keine nennenswerten Schäden zu beklagen.

Die oben geschilderten Aktivitäten erfolgten unter den Obmännern HR. Dr. Erwin Stöckelmayer, Dr. Norbert Wittmann und Dr. Werner Siska. Wie für die ersten 100 Jahre sind leider auch für die letzten Jahre der Vereinsgeschichte einige Unterlagen  nur lückenhaft vorhanden, so dass eine genaue Jahresangabe für ihre Amtsperioden mit ihrer verdienstvollen Tätigkeit derzeit nicht möglich ist. Herr HR. Dr. Stöckelmayer und Herr Dr. Norbert Wittmann sind bereits verstorben.

Seit 2008 hat der Verein ein „neues junges Team“. Obmann Dr. Christoph Faiman stehen als Stellvertreter Leopold Scheibenreif und Prof. Dr. Josef Pasteiner zur Seite. Das übrige Team ist auf der Homepage ersichtlich. Das Mitteilungsblatt „Unser Neustadt“ erscheint wieder regelmäßig. Hier wie auf der Homepage sind unsere zahlreichen Aktivitäten nachzulesen. Wegen Besitzerwechsels beim alten Vereinslokal in der Schlögelgasse wurden uns 2009 von der Stadt-gemeinde neue Räumlichkeiten im Stadtzentrum zur Verfügung gestellt. Sie sollen für die Vereinsmitglieder, alle Interessierten und auch für Studenten ein gern angenommener Treffpunkt werden. Die feierliche Eröffnung erfolgte am 7.10.2009. 

B.L.

Links
  1. http://denkmalschutz-wn.at/index.php?module=Profil&func=view&uname=admin
  2. http://denkmalschutz-wn.at/index.php?module=Profil&func=view&uname=webmaster
  3. http://denkmalschutz-wn.at/index.php?module=Seiten&func=display&pageid=3&theme=printer