Raaber Kreuz

Adresse

Raaber Kreuz
Neudörflerstraße 50
2700 Wiener Neustadt
Niederösterreich
Austria

Beschreibung:

 

 

Im Osten Österreichs gibt es zahlreiche Denkmäler, die „Raaber Kreuze“ genannt werden. Auch in Wiener Neustadt befindet sich eines bei der Neudörfler Straße 50, zu dessen Erhalt der Denkmalschutzverein einiges beigetragen hat. Pia Maria Plechl berichtet zu diesen Denkmälern folgendes[1]:

 

Im Juni 1594 war neuerlich ein rund 100.000 Mann starkes türkisches Heer nach Ungarn eingerückt, schlug einen Angriff des Erzherzogs und späteren Kaisers Matthias zurück und belagerte schließlich Raab (Györ), das unter dem Kommando des Ferdinand Grafen zu Hardegg stand. Die Belagerung dauerte vom 25. Juli bis 29. September, während welcher Zeit die Türken einen Entsatzversuch vereitelten und die Truppen des Erzherzogs von der Insel Schütt vertrieben. In hoffnungslosder Lage sandte Hardegg insgesamt 5 Boten an den Erzherzog, erhielt jedoch weder Antwort noch Unterstützung. Geschwächt durch hohe Verluste und Hunger sowie Krankheit, verhandelte er schließlich mit Sinan Pascha, dem türkischen Oberkommandierenden, der freies Geleit bei Übergabe der Festung zusicherte und Hardegg konnte mit seinen Truppen vereinbarungsgemäß abziehen. Inzwischen war jedoch ein Befehl an ihn abgegangen, der ihn bis zum Entsatz zum Halten der Festung verpflichtete.

 

Erzherzog Matthias und die gesamte Armeeführung warfen nun Hardegg Pflichtverletzung und Eidbruch vor und man machte ihm einen Kriegsgerichtsprozeß, der mit dem Todesurteil endete. Wohl wurde die schändlichste Art der Vollstreckung durch Erhängen durch einen Gnadenakt des Kaisers auf Enthaupten abgeändert, die Hinrichtung auf dem Platz am Hof in Wien wurde jedoch zum gräßlichen Schauspiel, das noch lange später in aller Munde war und auch in Volksliedern besungen wurde. Der Verlust von Raab und dieses Nachspiel wurden allgemein als große Schande für das Kaiserreich empfunden. Die heutige Geschichtsschreibung hält Hardegg einhellig für einen ebenso unglücklichen wie unschuldigen Offizier.

 

Erst 1598 konnte Raab wieder durch kaiserliche Bataillone unter dam Kommando des Grafen Palffy zurückerobert werden. Mit großer Begeisterung wurde der Wegfall der Schmach von Raab aufgenommen und führte unverzüglich zu einem kaiserlichen Erlaß, dem zahlreiche bis in die heutige Zeit bestehende Denkmäler zu verdanken sind:

 

Wir Rudolf der Ander (= der Zweite) von Gottes genaden erwälter  Römischer Khayser etc. etc. geben euch gnediglich zu vernemen: Demnach durch sonder Gnad Gottes die vestung Raab widerumben in unser Hand kommen,.....empfehlen wir hiemit Euch allen dass Ihr Gott zu Ehrn und Danksagung an Straßen, Pässen, Wegschaiden  umbgfallene oder von bosshaftigen Leüthen und Bildstürmern nidergerissene stainerne oder andere Creutz und pet Marter Säulen wiederumb aufrichtet und darein mit leslichen schwarzen Buchstaben volgende Schtifft machen lasset:

 

Sag Gott dem Herrn Lob und Danck

dass Raab wieder kommen in der Christen Handt,

den Neun und zwainzigsten Martii im 1598 – Jahr.

 

 

Dieser Erlaß wurde von allen Ständen befolgt und führte zur Errichtung zahlreicher neuer Bildstöcke, eben der Raaber Kreuze, war aber auch für den Denkmalschutz älterer Objekte von großer Bedeutung. In den Jahren vor 1594 war Ostösterreich auch immer wieder türkischen Einfällen ausgesetzt gewesen, was wie Ereignisse im Rahmen der Reformation (der Hinweis auf Bilderstürmer!), zur Beschädigung bestehender Denkmale der Volksfrömmigkeit beigetragen hatte. Wir dürfen hier auch einen Einfluss Melchior Khlesls auf den Kaiser sehen, der in der Errichtung von Denkmälern  auch einen Ansatz zur erfolgreichen Weiterführung der eingeleiteten Gegenreformation sah.

 

 

Weitere Raaber Kreuze stehen beispielsweise in Korneuburg und Frauenhofen im Waldviertel. Die Inschrift am Bildstock von Wiener Neustadt entspricht noch heute genau dem kaiserlichen Erlaß.

Die auf derselben Tafel angebrachte zweite Inschrift zum Gedächtnis an den Tod des letzten Babenbergers Friedrich II. des Streitbaren, hat zwar ebenfalls Bezug auf einen Sieg gegen einen Feind aus dem Osten, passt aber sonst in keiner Weise zum „Raaber Kreuz“. Es wäredaher zu überlegen , diesen Teil der Tafel zur Skulptur Friedrichs II. an der Außenwand von St. Peter an der Sperr zu transferieren.

 



[1] Pia Maria Plechl, Gott zu Ehrn ein Vatterunser pett,  Bildstöcke, Lichtsäulen und andere Denkmale der Volksfrömmigkeit in Niederösterreich, Verlag Herold Wien – München, 1971



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